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Bücher zum Süllberg:

EDITION 1301 EINS Der Süllberg ...mehr

Chronik einer Familie von Magrit Schulte-Haubrock ...mehr



Drei Burgen. Wie die meisten Berge Blankeneses soll der Süllberg ('Sollenberge') bis zum Jahre 1063 mit dichter Waldung bedeckt gewesen sein. "Darin allerlei heidnisches Raubgesindel hauste, das die christlichen Hamburger und Holsten plagte und drangsalierte zu Wasser und zu Lande," schrieb der verdiente Chronist Gustav Kirsten. Im erwähnten Jahr ließ Adalbert der Große, Erzbischof über Hamburg und Bremen, den Wald roden. Der Süllberg wurde mit dem gewonnene Holz befestigt und obendrauf ein starkes Castell gebaut. Dann wurde es mit Kriegsleuten belegt, um die wichtige Fährverbindung von Blankenese zu sichern, die wohl eher dem Informationsaustausch und der Beförderung von wichtigen Persönlichkeiten diente als der des Viehs aus Jütland, was mehrheitlich in Schulau durchgeführt wurde. Irgendwann soll Adalbert von Bremen neben der Burg auch ein Kloster gebaut haben, für das die Materialien und Arbeitsleute aus Bremen kamen. In und um Blankenese gingen zu dieser Zeit jährlich zwischen 20.000 und 30.000 Magervieh aus Dänemark und Holstein durch und über die Elbe zum Mästen nach Holland, hieß es in historischen Quellen, was man kaum glauben konnte angesichts der engen Verhältnisse hier. Leider wurden die Blankeneser Fährleute mehrfach von den Burgrittern überfallen, die sonst nichts zu tun hatten und sich langweilten. Deshalb wurde die Burg auf dem Hügel irgendwann zerstört, von wem, ist bisher nicht zu klären gewesen. Waren es die Blankeneser selbst, etwa nach einer zünftigen Feier? Etwa um 1260 wurde eine neue Burg errichtet, diesmal unter der Herrschaft von Gerhard I. von Schauenburg, mit dem Zweck, Otto von Barmstedt die Macht zu nehmen, der in Haseldorf residierte. Die Breckwoldts (breche-den-Wald) müssen sich derart beim Waldroden hervorgetan haben, dass ein paar von Ihnen mit zu einem Kreuzzug der Schauenburger ins Heilige Land mit durften und die anderen die Fährverwaltung übertragen bekamen, wo heute Sagebiel steht. Doch auch die zweite Burg wurde bald wieder zerstört, denn die gelangweilten Burgleute überfielen wieder Kaufleute und Blankeneser wie ihre Vorgänger. Um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war der Süllberg also noch unbebaut. Dort soll Peter Supp das Jungvieh gehütet haben und wusste allerlei Geschichten zu erzählen. Er hatte von seinem Vater die Sage von dem Hünen gehört, der auf dem Süllberg mit Nebelkappe und großer Keule zur Nachtzeit herumlief. Peter Supp erzählte auch vom Klopfen und Hämmern in der Tiefe der Erde, als sei dort etwas versunken, das wieder hinauf wollte. Wenn dann in der Schlummerstunde ein Luftzug kam, meinte Supp auf dem Süllberg: "De Hünn de dreiht sick üm un stöhnt." Nach dem Westfälischen Frieden zwischen 1650 und 1660 wurde behauptet, in den Blankeneser Bergen spukten viele Unterirdische und Zwerge, die sich den vorübergehenden Schäfern und Jägern zeigten und in Erdhöhlen ihr heimliches Wesen als "Unnereersche" trieben, wo sie die Schätze hüteten. So war es zu erklären, dass die Blankeneser mit dem Berge um sie herum möglichst wenig zu tun haben wollten.



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Peter Georg Carl Hansen, der ehemalige Fährpächter an der Grube, kaufte für 850 Courant Mark am 27. Juli 1837 das Plateau des Süllbergs, um hier einen Milchausschank zu eröffnen, dem am 20. Oktober sogleich ein Holzpavillion folgte. Aus seiner kleinen Landwirtschaft lieferten die eigenen Kühe die Produkte zum Verkauf. Die Tochter von Hansen verheiratete sich mit Heinrich Detlev Rohr, den die Blankeneser aber gern wieder von dort herunter haben wollten, weil er ein 'Zugezogener' war und ihm sein guter Verdienst nicht vergönnt war. Sein Schwiegervater und Süllberg-Gründer Hansen starb bereits ein Jahr nach der Geschäftsabgabe in seiner Vaterstadt Schleswig.

Als unter seinen Kindern eine Erbteilung stattfinden sollte, hätte Rohr den Süllberg nicht halten können aber auch keinen Kredit bekommen, wie bei der Gastronomie auch heute üblich. So gab es eine öffentliche Versteigerung für das damals trichterförmige Gebäude mit der 'Windharmonika' auf dem Dach, die bei Sturm weithin zu hören war. Erst im letzten Augenblick lieh ihm ein Blankeneser Freund 800 Mark, was 'Vadder Rohr' ihm nicht vergaß. Der alte Rohr wurde später sehr beliebt für seine Gutmütigkeit.





Der bekannte Fischer Kaspar Weiß aus dem Kumdal war der beste Freund von Rohr, erzählte man sich. Im Winter gab es jedes Jahr einen Fischerball, bei dem Kaspar Weiß jede neue Bowle probieren durfte. Wenn er sehr viel probierte, musste schon bald eine neue Bowle aufgesetzt werden und wieder probiert ... and so on. Der Heimweg ins Krumdal war dann ja nur bergab ...





Auch wenn es auf den historischen Postkarten der schlauen Gastwirte Rohr gern so ausssehen sollte wie ein eigener Aufgang zum 'Sollenberge', wie Blankeneses 74,7 m-Hügel (Baurs Berg 91,4 m, Falkenstein 75,3 m, Bismarckstein 88,4 m) früher einmal hieß: Wer zum Ausflugslokal Süllberg hinauf wollte, musste entweder die steile Treppe 'Rutsch' oder den etwas sanfteren Aufgang 'Krumdal' hinauf, um sich auf dem Gastroberg zu erfrischen und den grandiosen Blick zu genießen. Auch heute noch erleben die Krumdal-Bewohner einmal im Jahr, wie sich die Völkermassen vom Süllberg zum traditionellen Viereck-Feuer am Oster-Sonnabend ins Krumdal ergießen wie das Wasser nach dem Gewitter. Dann heißt es aufpassen auf die letzten Reetdachhäuser, denn die Fremden neiden gern die Idylle. Übrigens: Weil es im Sommer nicht genug Wasser auf dem Süllberg gab, wurde es von jungen Männern von unten heraufgeschleppt, die sich pro zwei Eimer einen Schilling verdienten.



Einer der drei Söhne, Friedrich Franz Rohr, übernahm nach dem Tode der Eltern 1902 den Süllberg mit seiner Frau Emmy, geborene Lübkert aus Reinfeld. Sie errichteten den westlichen Gebäudetrakt, ein Hotel mit zehn Doppelzimmern und Restaurant-Räumen für 240 Personen. Damals entstand die Silhoutte, die bis 1994 bekannt war. Im Herbst 1923 wurde in der Wirtschaft auf dem Süllberg der verbotene Devisenhandel schwunghaft betrieben, schrieb Blankeneses engagiertester Chronist Gustav Kirsten, "wobei stark geschlemmt worden sein soll. Gegen Dunkelwerden kam von Hamburg ein Auto nach dem anderen mit Damen und Herren angesaust, bis der auffallende Devisenhandel im November durch die Polizei aufgehoben wurde. Mehrere Geheimpolizisten, darunter ein weiblicher, drangen in die vorher umstellte Wirtschaft ein, untersuchten jede Person sehr gründlich, nahmen alle Devisen an sich und notierten die Namen."



Und nun ein Historienteil vom Süllberg, der mir schon sehr lange auf dem Herzen lag, so dass sich Monika Lühmann 2011 bereit erklärt hat, ihre Erinnerungen mal aufzuschreiben und in ihren alten Unterlagen zu wühlen, damit diese Zusamenhänge die Nachwelt noch nachvollziehen kann. Und zwar aus erster Hand:



Die Initiative 'Rettet den Süllberg' (1994 bis 2002).

PERSÖNLICHE NOTIZEN von Monika Lühmann (Dokumente: M. Lühmann).




So wie oben war es von 1837 bis zum 30.9.1994. Dann der Schock! Herr Conrad aus dem Blankeneser Bürgerverein erklärte die Sache auf seine Art: "De Spitz vom Süllbarg schall so dicht bebaut warrn, dat man se gor nich mer süt, un in en Art, de dat hier nich gift! Dat darf nich sien. Denn geit dat ganze Milieu in dutt. Ne, so wat mutt stoppt warrn." Richtig! Die Bestürzung war 'global'!



Was war geschehen? Warum der große Aufruhr? Seit 1837 war der Süllberg in Familienbesitz. Zu der Zeit war er noch kahl und es gab auf der Spitze nur einen Pavillon mit einem Milchausschank. Nach und nach kamen Gebäude dazu, auch ein erster Aussichtsturm, doch davon sind heute keine anschaulichen Reste mehr vorhanden. Ab 1887 entstanden der Saal mit Aussichtsturm, die Gästeterrassen, 1890 die Remise mit Wohnteil und 1903 ein Hotel und Restaurant.



Alle diese Gebäude wurden mehrfach verändert. Der Süllberg wurde zu einer der ersten Gastronomie- und Ausflugsadressen in Hamburg, er wurde zum Wahrzeichen. Frau Schulte-Haubrock, die letzte Erbin des Süllbergs, schilderte die Chronik ihres Hauses in ihrer Speisekarte vom Herbst/Winter 1993/1994:



Es war wohl ihre letzte Speisekarte. Aus Gesundheits- und Altersgründen verkaufte das Ehepaar Schulte-Haubrock Ihren Betrieb an den Bauunternehmer Roland Ernst aus Heidelberg, ein Tycoon in seiner Branche, bewundert, gehasst und angeblich skrupellos. Der Vertrag wurde von der Kanzlei des damaligen Hamburger Bürgermeisters gemacht. Vor Vertragsabschluss traf man sich im Rathaus. In einem Protokoll über dieses Gespräch stand unter anderem, "dass eine unterstützende Einschaltung" durch den Bürgermeister nur in Betracht käme, "wenn im Rahmen des baurechtlich Zustehenden unangemessene Konflikte bzw. Verzögerungen" aufträten. Die Möglichkeit, dass der Investor den Rahmen des baurechtlich Zulässigen unangemessen sprengen könnte und die Bürger eine unterstützende Einschaltung benötigen könnten, stand damals nicht im Raum. Im Raum stand das Versprechen (auch an das Ehepaar Schulte-Haubrock), ein Hotel neu zu bauen und trotzdem die charakteristische Substanz zu erhalten.


1991 stellte Architekt von Bassewitz auf einer Anhörung das geplante Hotel vor: 80 Zimmer, zwei Suiten, Konferenzsäle, Café-Terrassen und Restaurant, das Ganze in einem modernen Anbau an den alten Trakt. Es war ein 'Süllberg 3000', ein niedriges Halbrund mit Ausrichtung Westen, ein wenig wie fliegende Untertasse über der Elbe. Ich muss gestehen, ich fand es nicht schlecht, konnte jedoch die Anwohner verstehen, die sich von der enormen Baumasse erdrückt fühlten. Sehr schnell hieß es dann aber, ein Hotel wäre nicht rentabel, nur durch Wohnungsbau könnte die Firma Ernst zurecht kommen, durch viele und teure Wohnungen natürlich.

Und dann wurde gezeichnet, abenteuerlich aus Sicht der staunenden Bürger. Die Architekten v. Bassewitz, Patschan, Hupertz, Limbrock zeichneten mit Hilfe des Oberbaudirektors Prof. Kossak acht so genannte toskanische Wohntürme, man erstellte passend zu dem Vorhaben Entwürfe für den 'Bebauungsplan Blankenese 3' und Verwaltung und Politik begleiteten alles äußerst wohlwollend.

Der arme Herr Ernst! Es sollte anders kommen als von ihm erhofft. Zunächst war es wieder der 'Klönschnack', der die Blankeneser in seinem Juni 1994 Heft mit einer sehr drastischen, etwas unfairen Fotokollage aufrüttelte.



Das war der Moment, wo auch ich wütend wurde und wo ich mich in die Reihen der vielen Blankeneser einreihte, die sagten: SO NICHT!

Mein Mann und ich hatten ja leider oder Gott sei Dank Bürgerinitiativ-Erfahrung durch den Kampf um das Schmiede-Viertel Ecke Bahnhofstraße/Kiekeberg. Dieser Kampf hatte sieben Jahre gedauert und uns eigentlich gereicht. Doch als wir erkannten, was dem Süllberg drohte, war schnell klar, dass wir uns da nicht heraus halten durften.

Die Nachbarn um den Süllberg herum waren schon eher alarmiert, z.B. Herr Brede, Herr Dr. Eckart, Herr Harder, Herr Kessler und viele mehr; doch es war auch sehr schnell klar, dass eine Nachbarschaftsinitiative nicht ausreichen würde, um den Wahnsinn zu stoppen. Der Süllberg ist nicht nur ein Blankeneser Berg sondern ein Hamburger Wahrzeichen. Auf diesem Klavier musste gespielt werden und zwar mit allen Mitteln und allen Kräften, die irgendwie zu mobilisieren waren. Zuerst der Bürgerverein, der vorbildlich mitspielte. Der Vorsitzende, Herr Mewes, 'fusionierte' quasi mit der Bürgerinitive Süllberg. Anwälte mussten her und bezahlt werden, und zwar Brügmann, Hagen, Lübke, und Kuhlmann & Eicke sowie Voelker, Nissen, Mursch.

Das hieß Geld sammeln, viel Geld. Insgesamt zahlten die Bürger an Anwaltskosten 33.501,75 Mark, nur um den angeblichen Rechtsanspruch der Firma Ernst zu untersuchen und den Vorgaben der Stadt widersprechen zu können. Der alte Gemeindesaal (hinter der Eisdiele, inzwischen abgerissen) wurde für die erste Bürgerversammlung freigegeben. An der Wand hing ein Kruzifix, und ich hatte das Gefühl, dieser Jesus da, der zwinkert mir zu. Jedenfalls war es für mich ab da klar, dass wir es schaffen und dass wir nicht aufgeben würden, bis eine tragbare Lösung gefunden ist.

Engagierte Bürger kamen hinzu: Voran Jutta von Tagen, die sich als Architektin mit Know-How unermüdlich auch heute noch um die Blankeneser Baugeschicke kümmert, immer noch versucht, Einfluss auf die Gestaltung von Bebauungsplänen zu nehmen. Weiterhin Dr. Wolf-Dieter Hauenschild, renommierter Anwalt, ehemaliger Verfassungsrichter, der uns mit Ratschlägen kostenlos zur Seite stand. Dr. Hauenschild war damals noch SPD-Mitglied und versuchte immer wieder, seiner Partei zu raten, sich von den Plänen des Herrn Ernst zu verabschieden. Ohne Erfolg, leider.

Neben einem Rechtsgutachten brauchten wir also Unterschriften und zwar viele. Wir steckten das Ziel hoch, und ich glaube, es war Dr. Hauenschild, der sagte: Unter 20.000 machen wir es nicht!



Es wurden 27.000, wobei leider ca. 1.000 ungültig waren. Aus ganz Hamburg kamen die Listen zurück. Man sammelte überall, nicht nur in Blankenese am Strand und am Markt. Es kamen Briefe, Fotos von Familienfeiern auf dem Süllberg. Man brachte mir gerahmte Aquarelle und kleine Geschenke. Alles mit der Bitte, weiter zu machen und durch zu halten. Am 9.11.1994 übergaben Frau Kaufmann vom Bürgerverein und Dr. Hauenschild mit seinem Sohn der Bürgerschaftspräsidentin Ute Pape die rund 26.000 Unterschriften. Die Hamburger und auch die Presse waren beeindruckt. Man sagte uns, zu diesem Anlass seien mehr Journalisten gekommen als zu einer Landes Pressekonferenz!


Ja, die Presse! Ohne sie hätten wir es nie geschafft! Am 27. Oktober 1994 widmete 'Die Welt' dem Süllberg eine ganze Seite und startete eine Bürgerbefragung: 2.030 Bürger aus Deutschland, der Schweiz und Österreich schnitten einen entsprechenden Abschnitt aus der Zeitung aus, schickten ihn an die Redaktion zurück und gaben so ihr Votum ab. Das war damals ungeheuerlich, zumal man einen Briefumschlag frankieren und diesen zur Post bringen musste. Einen Computer hatte noch kaum einer, d.h. eine E-Mail-Umfrage war noch nicht möglich. Frau Dr. Schütte und Frau Reiners sei Dank, ebenso auch der 'Welt am Sonntag' mit Frau v. Mellentin, Frau Fischer und Frau Demleitner.



Auch die 'Bild' half und versuchte ihr bestes: Danke Herr Jensen und Frau v. Kedenburg! Und die 'Hamburger Rundschau' von Jo Müller, die 'Morgenpost' (Frau Dohlief) und die 'TAZ' (Fr. Harras). Das 'Hamburger Abendblatt' tat sich schwer. Die lokale Presse, 'Klönschnack' (Herr Schümann, Judy Brose), 'Hallo Elbe' (Herr Westphal), 'Elbe Wochenblatt' (Herr Schwalbach), 'Blankeneser Rundschau' (Herr Grötzschel) waren an unserer Seite und halfen, die Leser im Hambuger Westen zu informieren. Und dann natürlich Rundfunk und Fernsehen. Der 'NDR' in seiner ganzen Bandbreite inkl. 'Hamburg-Journal' und '90,3' (Frau Gerlach, Frau Kretschmann, Frau v. Schmettow, Frau Glaß, Frau v. Stürmer und der unermüdliche Herr Ingwersen). Der Süllberg selbst war unser größter Verbündeter; für den Süllberg haben sich all diese Journalisten eingesetzt. Sogar die Blankeneser Kirche am Markt widmete dem Süllberg die Titelseite ihres November Gemeindebriefes.



Ich könnte und müsste vielleicht noch mehr Zeitschriften, Fernseh- und Rundfunkanstalten in ganz Deutschland erwähnen, aber das würde zu weit gehen. Einem Bericht des 'Deutschlandfunks' jedoch verdanken wir indirekt unsere Stadtteilpartnerschaft mit Dresden-Loschwitz. Die Loschwitzer haben und hatten ähnliche Probleme wie wir, vor allem nach der Wende blühte die Bauspekulation auch an dem dortigen wunderschönen Elbhang. Dann kam der Tag an dem es ernst und traurig wurde:



Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde versteigert, d.h. das stimmt nicht ganz, denn auch die Vertäfelung der Windrose wurde zerlegt und an Udo Keller verkauft, der ebenfalls den Kasten mit dem Schwedenstiefel ersteigerte. Dieser Kasten wurde uns später von Herrn Keller geschenkt. Er fand im Fischerhaus eine neue Heimat.





Das alte, wunderschöne Gitter rund um die Terrassen (siehe unten) konnten wir, genau wie wichtige Gemälde, nicht retten. (Anm.d.Red: Leider gingen mir die drei Gemälde vom alten Dorfleben mangels Masse auch durch die Lappen)



Hamburgs oberster Denkmalschützer, Prof. Fischer, hatte entweder nicht den Mut oder nicht die Möglichkeiten. Ich habe wiederholt bei ihm gesessen und seine Ohnmacht miterlebt. In dem Zusammenhang möchte ich zwei Schreiben veröffentlichen, die für sich sprechen:


Brief von Prof. Hipp


Brief von Prof. Bracker Teil 1, Teil 2


Und dann die Realität, dokumentiert am 20. Okt. 1995: Das Denkmalschutzamt, das Bezirksamt Altona und die Stadtentwicklungsbehörde von Prof. Kossak akzeptierten die Umnutzung des Süllberg-Saales für Wohnungsbau! Ein Skandal!


Besprechungsprotokoll 20.10.95


Ich möchte in diesen Notizen nicht auf Details des juristischen und politischen Kampfes eingehen. Er war von beiden Seiten heftig! Ich möchte nur betonen, dass Verwaltung und Politik den Bauherrn zu der Zeit in seinem Wunsch nach möglichst großer Neubaumasse in einer unerträglichen Weise unterstützt haben, anstatt ihn zu Gunsten des Berges in vernünftige Schranken zu weisen. Mithilfe von Bestandschutz, Denkmalschutz und Landschaftsschutz hätte man neben der Erstellung eines sensiblen Bebauungsplans viele Möglichkeiten gehabt, um die angeblichen rechtlichen Ansprüche des Bauherrn zurecht zu rücken. Eines stand fest, die 'Gegenseite' war stark und nicht bereit, auch nur einen Schritt nachzugeben. Im Gegenteil, man wurde bockig und stockte auf. Statt der acht 'toskanischen Türme' plante man jetzt 15 Häuser, gut verteilt rund um den Berg.



Die Auseinandersetzungen wurden härter, die Parteien jedoch unsicherer. Zu viele Wählerstimmen drohten, verloren zu gehen. Als erstes schwankte die STATT-Partei von Markus Wegner in unsere Richtung. Georg Berg hielt am 9.11.94 in der Bürgerschaft eine flammende Rede für den Süllberg und gegen die Baupläne. Die CDU mit Ole von Beust als Oppositionsführer an der Spitze zögerte, doch der für den Bundestag nominierte Kandidat Eckart van Hooven brauchte Zustimmung und stellte sich voll hinter die Bürger. Das war der Durchbruch. Die Vorstandsmitglieder der CDU Ralph Kraehe und Heiko Peters schrieben sogar an die SPD Blankenese mit der Bitte um Unterstützung.


Schreiben der CDU an die SPD


Die Grünen in der GAL konnten wir bei einer Ortsbegehung überzeugen, die Alternativen der GAL leider nicht. Der sehr dominante Olaf Wuttke war der Meinung, dass Blankenese genau wie Altona zugebaut werden müsste. Große Häuser rund um den Berg, also auch am Nordhang, so wie das Büro v. Bassewitz sie dann ja auch zeichnete. Damit gab es in den politischen Gremien quasi ein Patt. Die SPD kooperierte in der Regierung zwar mit der STATT-Partei gegen CDU und GAL, aber in Sachen Süllberg war es, wie geschildert, anders. Letzten Endes scheiterten die Pläne von Roland Ernst politisch in einer dramatischen Sitzung der Bürgerschaft, in der die 'Grüne' Blankeneserin Sabine Böhlich eine fulminante Rede für den Erhalt des traditionellen Süllbergs hielt. Die eine Stimme der StATT Partei war entscheidend. Die Verwaltung war 'not amused'.

Doch jetzt habe ich vorgegriffen. Es ist gar nicht so einfach, die Dinge nach mehr als 15 Jahren in eine Ordnung zu setzen, zumal meine Unterlagen in einer großen Kiste im Garten 'abgesoffen' und größten Teils unbrauchbar wurden. Trotzdem, es ist noch genug da, um Ihnen, dem interessierten Leser von krumdal.de, einen Überblick über die Geschehnisse zu geben.

Also, wir kämpften weiter. Das hieß, wir schrieben uns die Finger wund, wir veranstalteten Anhörungen und (man staune) wir fanden einen ernsthaften und seriösen Kaufinteressenten, der Roland Ernst den Berg abkaufen wollte. Johann Max Böttcher, damals 75 Jahre alt, wollte den Süllberg in seiner 'Urform' erhalten und betreiben: Auch er wollte dazu bauen, aber nicht mit schnellen Rendite-Erwartungen. Er hatte das notwendige Geld, war alt, hatte keine Erben und wollte mit seinem Vermögen etwas Positives erreichen. Wir schöpften Hoffnung und Dr. Hauenschild und ich wanderten in die STEB zu Dr. Mirow, dem Senator für Stadtentwicklung und zu Prof. Kossak.

Unabhängig von der Frage, ob Herr Ernst verkaufen wollte oder würde, hatten die beiden Herren offensichtlich kein Interesse an einer Erhaltung des Süllbergs als Ausflugsort. Man hielt diese Zeit für endgültig vergangen, den Tourismus für Hamburg unbedeutend, man wollte den Wohnungsbau. Es ging soweit, dass man in den damaligen Entwurf des 'Bebauungsplans Blankenese 3' eine Klausel einbaute, wonach nie wieder ein Beherbergungsuntenehmen, sprich Hotel, auf dem Süllberg entstehen durfte. Trotzdem hat es direkte Gespräche zwischen der STEB und Herrn Böttcher gegeben. Naturgemäß ohne Erfolg.


Interview Böttcher


Wir gaben nicht auf und beschlossen, noch einmal etwas Spektakuläres zu unternehmen. Die Idee einer Fackel-Demonstration rund um den Süllberg entstand. Es wurde gigantisch! Dank der Großzügigkeit eines Blankeneser Mäzens konnten wir 5.000 Fackeln kaufen und verteilen. Die Firma BLOW UP von Martin Schiemann, dem Sohn einer Mitarbeiterin unserer Firma, war bereit, den Süllberg zum Selbstkostenpreis vom Kiekeberg aus anzustrahlen. Es war unglaublich. Die Anlieger rund um den Berg machten mit und entwickelten dabei erstaunliche Fantasie. Sie installierten teilweise sogar zusätzliche Leuchtschriften auf ihren Häusern. Erwähnen möchte ich dabei auch Frau von Elm, die Besitzerin des Traditionslokals 'Schuldts Kaffeegarten' unterhalb der Süllberg-Terrassen, die mit 'Feuer'-Eifer dabei war - ungeachtet der Tatsache, dass wir alle für einen Konkurrenten von ihr kämpften. Ganz Blankenese war 'high', die Fotos können nur andeutungsweise die Stimmung wieder geben. Es war viiiiiiel schöner! Auch am Strand entlang wurden Fackeln in der Sand gesteckt.





Herrn Ernst hat es nicht gefallen: "Ich dachte, jetzt wollt ihr mich verbrennen," sagte er mir später, als wir uns schon geeinigt hatten.

Als nationaler und internationaler Großunternehmer auf dem Bausektor baute die Firma von Roland Ernst auch in Berlin. Sein dortiger Projektentwickler und Partner war Hans Barlach, Enkel von Ernst Barlach. Barlach war ein sensibler Mann mit Gespür für Kunst, Kultur und Historie. Ihn wurmte die ganze Süllberg-Geschichte und riet Roland Ernst, von den bisherigen Bauplänen Abstand zu nehmen und mit der Bürgerinitiative zusammen zu arbeiten. Nach der Niederlage in der Bürgerschaft und nach der eindrucksvollen Willenserklärung der Blankeneser bei der Süllberg-Erleuchtung stimmte Roland Ernst zu.

Auf Einladung von Hans Barlach trafen wir uns bei ihm in der Willistrasse zum Frühstück. Herr Ernst kam extra aus Heidelberg, von unserer Seite nahmen Dr. Hauenschild und ich an dem Gespräch teil. Moderator war der Verleger Dr. Joachim Müller. Das Gespräch war vom ersten Moment an gut. Die Chemie stimmte. Beiden Seiten bemühten sich um Sachlichkeit und um eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung. Wir schlugen vor, dass sich Herr Ernst die Süllberg-Entwürfe des Architekten Eike Wiehe ansieht, die von der Bürgerinitiative akzeptiert worden waren. Sie waren fertig. Herr Wiehe hatte sie als Vorschlag für Herrn Böttcher gezeichnet. Darauf hin trafen wir uns noch einmal, dieses mal mit Herrn Wiehe und seinen Zeichnungen, die Herr Ernst zu prüfen versprach. Danach wurde eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die für die Umsetzung zuständig war, der Blankeneser Architekt Thorsten Schima wurde von Roland Ernst als zweiter Architekt akzeptiert.


Presseerklärung vom 27. Juni 1996


Es ging auch um Zeit! Wir wollten und mussten jetzt mit Roland Ernst kooperieren. Er hatte sich verspekuliert, er hatte sich leichtfertig darauf verlassen, dass die Verwaltungs- und Politikmühlen zu seinen Gunsten mahlen würden. Durch unsere Intervention hatte das nicht geklappt. Jetzt wollten wir helfen, die Kompromisse möglichst zügig umzusetzen. Letzten Endes war es nicht das Ziel, Herrn Ernst zu ruinieren. In diese Situation platzte Prof. Kossak unerklärlicherweise mit einem eigenen Entwurf.


Presseerklärung vom 14.8.96


Schreiben von Barlach an Mirow


Wie schon erwähnt, sind viele meiner Bürgerintiativ-Unterlagen einem Wasserschaden zum Opfer gefallen. Das folgende Dokument, ein Fax von Roland Ernst , das mir zugespielt wurde, hat überlebt: Honi soit, qui mal y pense!, es ist müßig, das zu vertiefen.



Der Zug war auf dem richtigen Gleis. Hans Barlach als neuer Projektentwickler und Partner von Roland Ernst sorgte für eine optimale, milieugerechte Sanierung der historischen Gebäude. Zur großen Freude wurde auch die Zwischendecke des Saales herausgenommen und die alten Decken-Malereien wieder hergestellt. Die Galerie, die Säulen und Fenster, der Fußboden; alles wurde liebevoll und mit unglaublich viel Geld restauriert oder ersetzt.




Hans Barlach kaufte die historische Inneneinrichtung von 'Schümann's Austernkeller', um sie im Keller des Süllbergs einzubauen (wurde nie umgesetzt). Parallel dazu entwarf Herr Limbrock aus dem Büro von Bassewitz drei Häuser, die auf dem Parkplatz des Süllbergs gebaut werden sollten, und stimmte die Entwürfe mit der Bürgerinitiative ab. Im Dezember 1998 verkaufte Roland Ernst die Gewerbebetriebe auf dem Süllberg an die DEGI Deutsche Gesellschaft für Immobilienfonds mbH, eine Tochter der Dresdner Bank AG.



Wir waren zunächst geschockt, doch Hans Barlach blieb weiter Projekt-Koordinator. Die Pläne wurden nicht geändert, im Gegenteil, es konnte frisches Geld in die in die Baustelle fließen, die übrigens für die Tiefgaragen mehr als 20 m tief werden sollte und die Beschaffenheit des Berges deutlich machte. Der Süllberg besteht größten Teils aus Sand, wunderschönem, goldgelben Sand. Ich war total fasziniert von dem Anblick. Baubeginn für das gesamte Projekt war der 5. März 1999, die DEGI lud zu einer Pressekonferenz und kleinen Feier.


Roland Ernst Baubeginn, Teil 1, Teil 2


Doch der Krimi geht weiter. Roland Ernst musste Insolvenz anmelden - die Handwerker Rechnungen wurden nicht mehr bezahlt, der Bau lag still.


Brief von Roland Ernst an die DEGI


Ich schrieb an den Vorstand der DEGI und bekam folgende Antwort:


Brief der DEGI an mich, Teil 2


Der Bau ging weiter, das Gerangel hinter den Kulissen zwischen Roland Ernst, Hans Barlach und der DEGI auch. Viele Pläne gab es und Gerüchte, u.a. sollte der Saal zum Casino werden, sagte man. Dann die nächste Katastrophe. Klaus Schümann beschrieb es treffend auf der Titelseite seines 'Klönschnacks' vom Juni 1999:



Hans Barlach wurde allgemein an den Pranger gestellt. Er sollte den Gründerzeitbau absichtlich zerstört haben. Es standen nur noch (ich glaube drei oder sogar zwei) Außenmauern, marode und nicht gerade mehr für die Ewigkeit. Die Dachziegel waren schon gerettet, das Haus digital vermessen. Das Haus sollte und ist mit alten Steinen wieder aufgebaut. Ich hatte Verständnis und habe mir prompt den Vorwurf der Korruption eingehandelt. In einer Pressemitteilung erklärte Hans Barlach, dass das eingestürzte Gebäude unter Federführung des Amtes für Denkmalschutz rekonstruiert werden würde und hierfür ein Vertrag geschlossen wurde. Dazu möchte ich bemerken, dass die Firma Roland Ernst den alten Gebäudekomplex hat unter Denkmalschutz stellen lassen, dass Denkmalschutzamt selbst hat keinen Finger gerührt. Jetzt regte man sich auf, verhängte einen Baustopp! Irgendwann war auch diese Hürde genommen, es ging weiter, am 19. Mai 2000 wurde Richtfest gefeiert.




Nur einen Betreiber hatte man noch nicht. Ich wurde nervös, hatte Angst, dass der ganze Kampf umsonst war und Prof. Kossak und Dr. Mirow doch recht hatten. Waren wir zu naiv gewesen? Ich telefonierte von mir aus herum und versuchte jemanden zu finden, doch dann kam die erlösende Nachricht: Die Kempinski AG aus Berlin hielt in dem halb fertigen Saal eine große Pressekonferenz ab und erklärte ein wunderbares Konzept aus dem dann aber letzten Endes nichts wurde, da sie sich offensichtlich mit der DEGI doch nicht einigen konnten.

Jetzt war guter Rat teuer und für die DEGI wahrscheinlich sogar sehr teuer. Anfang 2002 bot man die Pacht Karlheinz Hauser, Küchendirektor und Leiter der Gastronomie des Hotels Adlon in Berlin an. Er hatte für Kempinski die Sülllberg-Küchen und die Gastronomie-Abläufe konzipiert und er hatte sich in den Süllberg verliebt. Unterstützt von seiner 'Fachfrau' Margarete, die in einer Hoteliersfamilie aufgewachsen war, traute er sich den Schritt in die Selbstständigkeit zu. Und alle, die den Süllberg lieben, waren glücklich darüber. Er schien genau der Richtige und mache seine Sache hervorragend. Mit immer neuen Ideen schafft er es, sich in dem immer größeren Konkurrenzangebot zu behaupten.


Und es kam noch besser: Die Finanzkrise machte es möglich. DEGI, Dresdner Bank, Allianz, die Großen wurden durcheinander gerüttelt und damit war auch der Süllberg betroffen. Irgendwann landete er bei einer amerikanischen Investmentgesellschaft. Diese wiederum verkaufte den Süllberg im März 2010 an den Blankeneser Peter Möhrle, bzw. an seine Holding; und damit ist der Berg endlich wieder 'zu Hause'. Er ist mehr oder minder wieder in Privatbesitz, und man wird nicht mehr mit ihm schachern. Wir trauen Herrn Möhrle zu, dass er sein Wort hält und dafür sorgt, dass auch weitere Generationen von Blankenesern und Hamburgern sowie ihre Gäste aus aller Welt von der Terrasse aus über die wunderschöne Elbe gucken können, Kaffee trinken oder ein Sterne-Menü bestellen können. Man kann also sagen:

Ende gut, alles gut. Es hat gelohnt. Es war wunderbar, wie viele Menschen sich engagiert haben, wie viele uns finanziell unterstützt haben! Es war auch furchtbar, deprimierend und teilweise zum Verzweifeln. Aber immer, wenn wir in einer Sackgasse waren, hat mir jemand von oben zugezwinkert. Und dann hatte ich wieder Mut. Dafür sage ich DANKE!

Monika Lühmann, im Januar 2011




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